Geschichte der belgischen Eisenbahn

Infrabel wurde 2005 gegründet und ist somit ein noch relativ junges Unternehmen. Unser Unternehmen entstand  im Zuge der Reform der damaligen belgischen Eisenbahn mit dem Ziel, einen freien Wettbewerb zu schaffen. Die Geschichte des Unternehmens reicht jedoch viel weiter zurück!

Die allererste Eisenbahnstrecke

Belgien eröffnete nach seiner Unabhängigkeit die allererste Eisenbahnstrecke auf dem europäischen Festland. Es handelte sich um die Strecke zwischen Brüssel und Mechelen, die am 5. Mai 1835 festlich eröffnet wurde. Der damalige König Leopold I. war entschlossen, in Belgien ein ausgedehntes Schienennetz anzulegen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Wir schrieben Geschichte, und darauf können wir noch heute stolz sein!

Das belgische Schienennetz entwickelte sich rasend schnell. Sowohl der belgische Staat als auch private Unternehmen leisteten ihren Beitrag zum Ausbau und zur wirtschaftlichen Nutzung. Ende des 19. Jahrhunderts umfasste das Netz bereits mehr als 3000 Schienenkilometer. Im Jahr 1885 entstand die Nationale Nebenbahngesellschaft. Ihr Auftrag: Anbindung kleinerer Orte per Straßenbahn oder Schmalspurbahn ans nationale Schienennetz.

Aber dann brach der Erste Weltkrieg aus ...

Der Erste Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs fiel das belgische Schienennetz zu großen Teilen in die Hände der deutschen Besatzer. Ihnen diente die Eisenbahn zum Transport von Nachschub und Soldaten an die Front. Aber auch die Alliierten verlegten in großem Umfang Schienen zwischen der Westhoek und Frankreich.

Sowohl das deutsche Heer als auch die Alliierten hatten Eisenbahngeschütze im Einsatz. Der Kriegsschaden war immens: Mehr als 1000 Schienenkilometer wurden zerstört und viele Eisenbahnbrücken wurdenaren in Schutt und Asche gelegt. Ungefähr 2000 Bahnbedienstete verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben.

Gründung der Nationalen Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen

Im Jahr 1926 gründete der Staat die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen. Die Eisenbahngesellschaft erhielt einen Bewirtschaftungsvertrag über 75 Jahre. Die Verstaatlichung der Belgischen Eisenbahn war 1958 abgeschlossen. Damit war das gesamte Schienennetz in staatlichem Besitz.

Ab den Dreißigerjahren begann man damit, nach und nach den Dampfantrieb durch elektrifizierte Strecken zu ersetzen. Die erste elektrifizierte Strecke war 1935 die Verbindung von Brussel-Noord nach Antwerpen-Centraal. Der SNCB (Eisenbahngesellschaft) hatte auch für das restliche Schienennetz ehrgeizige Pläne. Leider wurden diese vorerst durch den Zweiten Weltkrieg vereitelt.

Der Zweite Weltkrieg

Auch während des Zweiten Weltkriegs spielte das Schienennetz bei der Kriegsführung eine wichtige Rolle. Reisende konnten die Eisenbahn zu Kriegszeiten kaum nutzen, weil die meisten Züge dem deutschen Heer vorbehalten waren.

Nach dem Krieg war ein großer Teil des Schienennetzes durch Bombardierungen zerstört. Einige Jahre wurden hauptsächlich Kriegsschäden behoben. Die ehrgeizigen Pläne der Dreißigerjahre waren zur dieser Zeit kein Thema mehr.

Da sich zu dieser Zeit auch der Straßenverkehr stark entwickelte, wurden einige kleinere Bahnstrecken unrentabel und deshalbwurden abgeschafft.

Die Elektrifizierung des Schienennetzes

In den Fünfzigerjahren nahm der SNCB die Pläne zur Elektrifizierung wieder auf und allmählich wurden die Diesellokomotiven durch Elektrolokomotiven ersetzt.

Im Jahr 1952 wird die Brüsseler Nord-Süd-Verbindung in Betrieb genommen, eine unterirdische Verbindung zwischen den Bahnhöfen Brussel-Zuid und Brussel-Noord. Diese Verbindung stellte sich binnen kurzer Zeit als Hauptschlagader des belgischen Schienennetzes heraus. Der Bau des Kennedytunnels in der Nähe von Antwerpen warist ebenfalls ein wichtiger Schritt für den Zugverkehr in Belgien.

Die Liberalisierung des Eisenbahnsektors

2005 wurde der Schienengüterverkehr vollständig liberalisiert. Das bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt verschiedene Privatunternehmen den Gütertransport auf dem Schienennetz durchführenausführen können.

Um diesen freien Wettbewerb zu ermöglichen und um die EU-Richtlinien einzuhalten, passten die Belgischen Eisenbahnen ihre Struktur an. Denn die kommerziellen Aktivitäten mussten von den Aufträgen als Infrastrukturbetreiber getrennt werden, um einen freien Marktmechanismus auf der Schiene zu ermöglichen. Auf diese Weise entstand die sogenannte SNCB-Gruppe, die aus drei unabhängigen Unternehmen bestand:

  • der SNCB, Beförderungsunternehmen oder Betreiber
  • Infrabel, Infrastrukturbetreiber
  • der SNCB-Holding, die für die Personalverwaltung, die Informatik und die 37 größten Bahnhöfe verantwortlich ist, sowie für die Koordinierung zwischen den Unternehmen

Infrabel wurde 2005 gegründet und ist der Betreiber und Inhaber der belgischen Eisenbahninfrastruktur: Erfahren Sie hier alles über unsere Aktivitäten.

Vereinfachung der belgischen Eisenbahn

Um den Kunden in den Mittelpunkt der Dienstleistung zu stellen, wurde die dreigliedrige Struktur der SNCB-Gruppe vereinfacht. Am 1. Januar 2014 fusionierte die SNCB-Holding mit der SNCB und es entstand eine zweigliedrige Struktur mit Infrabel als Infrastrukturbetreiber und der SNCB als Eisenbahnunternehmen. Ein neues Tochterunternehmen, HR Rail, ist für die Personaleinstellung und -verwaltung beider Unternehmen verantwortlich.